Heavens Hotel Hoorn
ZurückIn einer monumentalen Kirche zu übernachten, ist eine Idee, die sofort die Fantasie beflügelt. Das Heavens Hotel Hoorn hat diese Idee aufgegriffen und die Grote Kerk (Große Kirche) im Zentrum von Hoorn in ein Vier-Sterne-Boutique-Hotel verwandelt. Diese einzigartige Lage verspricht ein ganz besonderes Erlebnis, doch ein Aufenthalt hier birgt sowohl himmlische als auch irdische Aspekte, die potenzielle Gäste sorgfältig abwägen sollten.
Die Umgestaltung einer Kirche, die seit dem 14. Jahrhundert an diesem Ort steht, ist eine architektonische Meisterleistung. Die heutige Kirche, ein eklektischer Bau aus dem Jahr 1883, bietet eine beeindruckende Kulisse. Beim Betreten wird die Erhabenheit des Raumes deutlich: Hohe Decken und erhaltene Elemente erinnern an die sakrale Vergangenheit des Gebäudes. In Kombination mit moderner, luxuriöser Einrichtung entsteht eine einzigartige Atmosphäre. Doch die Gestaltung der Räume sorgt bei den Besuchern für die meisten Gespräche.
Gestaltung der Kammern: Einzigartig, aber umstritten
Die 43 Hotelzimmer sind als in sich abgeschlossene Einheiten innerhalb des riesigen Kirchenraums konzipiert. Dadurch bleibt die monumentale Struktur der Kirche erhalten. Die Zimmer selbst werden als sauber, modern und stilvoll beschrieben, mit bequemen Betten und hervorragenden, leistungsstarken Regenduschen. Dieses Design hat jedoch erhebliche Nachteile, insbesondere in Bezug auf Privatsphäre und Geräumigkeit.
Ein häufiger Kritikpunkt ist das Fehlen eines Fensters nach draußen. Die meisten Zimmer verfügen über eine große Glaswand mit Blick auf den inneren Flur oder das Atrium über dem Restaurant. Dadurch können Passanten direkt hineinsehen. Obwohl die wunderschönen Buntglasfenster der Kirche vom Flur aus sichtbar sind, haben Gäste oft das Gefühl, dass ihr privater Raum gleichzeitig öffentlich ist. Um Privatsphäre zu gewährleisten, müssen schwere, dunkle Samtvorhänge zugezogen werden. Dies verwandelt das Zimmer in eine geschlossene, dunkle Box, die manche Gäste, insbesondere bei mehrtägigen Aufenthalten, als bedrückend und klaustrophobisch empfinden. Die Wahl dunkler Farbtöne in einigen Zimmern kann dieses Gefühl noch verstärken.
Praktische Mängel und Komfort
Neben dem konzeptionellen Design gibt es auch praktische Nachteile. Gäste im ersten Stock berichten von erheblichem Lärm aus dem Stockwerk darüber, was auf eine mangelhafte Schalldämmung zwischen den Etagen hindeutet. Sowohl Schritte als auch die morgendlichen Aktivitäten des Reinigungspersonals können störend sein. Auch im Badezimmer wurden Mängel festgestellt; in einigen Duschen läuft Wasser über und verteilt sich im gesamten Badezimmer. Darüber hinaus wird die Einrichtung als spärlich empfunden, insbesondere für einen Aufenthalt, bei dem Gäste Zeit in ihrem Zimmer verbringen möchten. Oft gibt es nur einen bequemen Sessel, ergänzt durch einen Hocker oder eine harte Holzbank, die für zwei Personen nicht ausreichend Sitzplätze bietet.
Service und Gastfreundschaft: Unterschiedliche Erlebnisse
Die Rückmeldungen zu Personal und Service sind gemischt, was auf mögliche Uneinheitlichkeit hindeutet. Viele Gäste sind äußerst zufrieden und loben das Personal als „super freundlich“, hilfsbereit und als einen echten Mehrwert für das Erlebnis. Der Service wird häufig als Grund für eine erneute Rückkehr genannt.
Andererseits gab es auch Fälle, in denen die Gastfreundschaft als mangelhaft empfunden wurde. Barrierefreiheit ist ein zentrales Anliegen. Das Hotel verfügt zwar über einen Aufzug, dieser fährt jedoch nicht alle Etagen an. Dies kann für Gäste mit eingeschränkter Mobilität ein erhebliches Problem darstellen. In einem konkreten Fall wurde einem älteren Gast mit Gehstock beim Einchecken nicht proaktiv ein barrierefreies Zimmer angeboten, was zu Unannehmlichkeiten führte. Solche Details sind für das gesamte Gästeerlebnis in einem Hotel dieser Kategorie entscheidend.
Essen und Trinken: Frühstück und Restaurant The Saint
Das Frühstück im hoteleigenen Restaurant „The Saint“ erhält überwiegend positive Bewertungen. Es wird als reichhaltig, hochwertig und mit einer großen Auswahl beschrieben. Der freundliche Empfang durch die Gastgeberin trägt zu einem gelungenen Start in den Tag bei. Ein kleiner, aber für manche dennoch spürbarer Nachteil ist die einzige Kaffeemaschine, die zu Stoßzeiten zu Wartezeiten führen kann.
Das Restaurant The Saint, das auch mittags und abends geöffnet ist, genießt in Hoorn einen guten Ruf. Allerdings sprach die Speisekarte nicht alle Hotelgäste an. Wer ein umfassendes Hotelerlebnis inklusive Verpflegung sucht, sollte sich die Speisekarte vorab ansehen. Dank der zentralen Lage gibt es jedoch zahlreiche alternative Restaurants in fußläufiger Entfernung.
Lage und Erreichbarkeit
Ein unbestreitbarer Pluspunkt des Heavens Hotel Hoorn ist seine Lage. Mitten im Stadtzentrum gelegen, ist es der perfekte Ausgangspunkt, um Hoorn zu Fuß zu erkunden. Museen, Geschäfte und der Hafen sind nur wenige Schritte entfernt. Gästen, die mit dem Auto anreisen, stehen günstige Parkplätze in Gehweite zur Verfügung. Dank dieser zentralen Lage ist es die ideale Unterkunft für einen Städtetrip.
Ein Kompromiss zwischen Einzigartigkeit und konventionellem Komfort
Das Heavens Hotel Hoorn bietet zweifellos eine einzigartige Unterkunft , die man anderswo kaum findet. In einer wunderschön renovierten Kirche zu übernachten, ist ein unvergessliches Erlebnis. Die positiven Aspekte, wie die zentrale Lage, die bequemen Betten, die hervorragenden Duschen und die vielgelobte Freundlichkeit des Personals, sprechen für sich.
Potenzielle Gäste sollten sich jedoch der damit verbundenen Kompromisse bewusst sein. Die Zimmergestaltung mit ihrem Mangel an Privatsphäre und Tageslicht ist nicht jedermanns Sache und eignet sich möglicherweise weniger für längere Aufenthalte. Praktische Aspekte wie Lärm, eingeschränkter Zugang zu den oberen Stockwerken und die spärliche Einrichtung sind wichtige Faktoren, die es zu berücksichtigen gilt. Dies ist kein typisches Resort oder Gästehaus und lässt sich auch nicht mit der Privatsphäre einer Ferienwohnung vergleichen. Es handelt sich um eine Designentscheidung, die die Grenze zwischen architektonischem Anspruch und traditionellem Hotelkomfort auslotet. Für einen kurzen, außergewöhnlichen Aufenthalt kann dies eine ausgezeichnete Wahl sein, doch wer Wert auf Privatsphäre, Ruhe und einen Ausblick legt, könnte dieses Paradies als etwas erdrückend empfinden.